
In der "Gartenstadt" Suzhou steht ein taoistischer Tempel namens Xuanmiaoguan. Der Tempel ist für die von dort stammende taoistische Musik weit und breit bekannt. Dabei handelt es sich um eine Art religiöse Musik, die auf taoistischen Zeremonien gespielt wird und sich je nach Anlaß in Form und Melodie unterscheidet.
Das war, liebe Hörer, ein Beispiel der taoistischen Musik. Besonders auffallend ist: taoistische Musik besteht aus zwei Teilen, einem Instrumental- und einem Vokalteil. Instrumental erklingt unter anderem Flöten- und Trommelmusik, gesungen werden vor allem Loblieder und Lieder zur Abwehr von Unheil.
Taoistische Musik aus Suzhou kann auf eine stolze Geschichte von 1.700 Jahren verweisen und hat damit eine ähnlich lange Tradition wie der Taoismus in dieser Region. Die Musik entstand aus verschiedenen taoistischen Ritualen und Zeremonien und erreichte während der Tang-Dynastie ihren Höhepunkt. So haben sich unterschiedliche Spielformen entwickelt, wie zum Beispiel Solo- oder Chormusik oder ein wechsle beider Formen. Dank des Miteinbeziehens volkstümlicher Instrumente, Melodien und Spieltechniken hat sich der künstlerische Wert der taoistischen Musik aus Suzhou massiv erhöht. Zu Recht erfreut sich daher diese Kunstform an dem Ruf "Paradiesische Musik aus Suzhou".

Xie Jianming ist taoistischer Mönch aus Suzhou und hat mehr als zwei Jahrzehnte die taoistische Musik seiner Heimat erforscht. Er sagt, Kern dieser Musik aus Suzhou sei der taoistische Glaube und die dementsprechenden Werte:
"Unsere Musik wurde ursprünglich zu taoistischen Ritualen und Zeremonien gespielt. Später kamen höfische Musik, volkstümliche Musik und auch instrumentale Musik aus Südchina hinzu. Die Musik hat aber eindeutig einen religiösen Charakter. Sie spiegelt das Streben nach Reinheit und Stille sowie nach dem "Nicht-Handeln" der Taoisten wider."
Taoistische Musik lässt die verschiedenen Rituale und Zeremonien noch heiliger und geheimnisvoller erscheinen. Hervorgehoben beim Musizieren wird die Rolle der Blas- und Schlaginstrumente.

"Der fliegende Bo" (Becken)
Ein interessanter Bestandteil der taoistischen Musik ist die Vorführung "Der fliegende Bo" (Becken). Der Bo ist ein tellergroßes Schlaginstrument mit einer Wölbung nach Außen in der Mitte. Der Musiker bringt zwei bronzene Bos zum Erklingen, indem er sie durch die Luft schwingt, während das Orchester eine Begleitmusik spielt. Der 24-jährige Mönch Xu Xiangdong repräsentiert die 35. Generation der "fliegenden Bos" des taoistischen Tempels Xuanmiaoguan. Acht Jahre lang hat er bei seinem Meister diese Virtuosität gelernt und intensiv geübt. Er erläutert die religiöse Bedeutung der "fliegenden" Bos:
"Zum einen sind die Bewegungen sehr anmutend, zum anderen haben sie eine religiöse Bedeutung. Damit empfangen wir den Fischgott, der die Wünsche der Gläubigen erfüllt."
Dank der Reform und Öffnung in China wurde taoistische Musik aus dem Tempel Xuanmiaoguan auch mehrfach im Ausland vorgestellt. Da traditionelle Rituale und Zeremonien üblicherweise eher selten abgehalten werden, findet die taoistische Musik heute aber nur mehr geringe Anwendung und ist vom Vergessen bedroht. Han Xiaodong, stellvertretender Vorsitzender der Taoistischen Vereinigung der Stadt Suzhou:
"Da Suzhou wirtschaftlich entwickelt ist, ist es für junge Leute schwer akzeptabel, ein taoistischer Priester zu werden. Für junge Leute ist der Bereich Wirtschaft attraktiver. Deshalb ist es für uns schwierig, Nachwuchs zu finden."
Taoistische Musik ist so zu einer touristischen Attraktion der Gartenstadt Suzhou geworden. Wer den jahrtausendealten Tempel Xuanmiaoguan besucht, kann dort die taoistische Musik vor Ort genießen und miterleben.